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Welthunger-Index
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Der Welthunger-Index (WHI) ist ein Instrument, mit dem die Hungersituation auf globaler, regionaler und nationaler Ebene erfasst und verfolgt wird. Der jährlich im Oktober erscheinende Bericht beschreibt die Verbreitung von Hunger und Unterernährung in einzelnen Ländern und misst sowohl Fortschritte als auch Misserfolge im globalen Kampf gegen den Hunger. Anhand der WHI-Werte lässt sich eine Rangfolge von Ländern erstellen. Zudem kÜnnen aktuelle mit vergangenen Ergebnissen verglichen werden. Eine interaktive Kartecite-ref-1[1] ermÜglicht es Nutzern, die Daten verschiedener Jahre zu visualisieren und in bestimmte Regionen oder Länder zu zoomen.
Der Index wurde ursprßnglich vom Internationalen Forschungsinstitut fßr Ernährungs- und Entwicklungspolitik (IFPRI) in Zusammenarbeit mit der Welthungerhilfe, einer deutschen Hilfsorganisation, entwickelt und 2006 das erste Mal verÜffentlicht. Im Jahr 2007 schloss sich die irische Nichtregierungsorganisation (NGO) Concern Worldwide als Mitherausgeber an. IFPRI ßbergab 2018 das Projekt an seine langjährigen Partner Welthungerhilfe und Concern Worldwide, die den WHI seitdem als gemeinsames Projekt fortfßhren. Im Jahr 2024 trat das Institut fßr Friedenssicherungsrecht und humanitäres Volkerrecht (IFHV) dem Projekt als akademischer Partner bei.
Der Welthunger-Index 2025 bilanziert zum Jubiläum zwei Jahrzehnte evidenzbasierte Empfehlungen: von produktivitätsorientierter Landwirtschaft hin zu rechtsbasierten, inklusiven und resilienzorientierten Ansätzen. Prioritäten sind u. a. stärkere Governance und Rechenschaftspflicht, klimaangepasste und transformierte Ernährungssysteme, Chancengleichheit, FĂśrderung ländlicher Lebensgrundlagen, sektorĂźbergreifende Strategien sowie koordinierte und verantwortungsvolle Entwicklungsfinanzierung. Betont werden die Bedeutung verlässlicher Daten, vorausschauenden Risikomanagements und lokalen Empowerments â insbesondere von Frauen und marginalisierten Gruppen.
In den vergangenen Jahren wurden folgende Themen fokussiert:cite-ref-4[4]
⢠2010: Die Chance der ersten 1.000 Tage
⢠2011: Wie steigende und schwankende Nahrungsmittelpreise den Hunger verschärfen
⢠2012: Ernährung sichern, wenn Land, Wasser und Energie knapp werden
⢠2013: Widerstandsfähigkeit stärken, Ernährung sichern
⢠2014: Herausforderung verborgener Hunger
⢠2015: Hunger und bewaffnete Konflikte
⢠2016: Die Verpflichtung, den Hunger zu beenden
⢠2017: Wie Ungleichheit Hunger schafft
⢠2018: Flucht, Vertreibung und Hunger
⢠2019: Wie der Klimawandel den Hunger verschärft
⢠2020: Kein Hunger bis 2030: Gesundheit und nachhaltige Ernährungssysteme zusammen denken
⢠2021: Hunger und Konflikte: Ernährungssysteme ändern, Frieden fÜrdern
⢠2022: Transformation der Ernährungssysteme und lokale Governance
⢠2023: Jugend als treibende Kraft fßr nachhaltige Ernährungssysteme
⢠2024: Mit Gendergerechtigkeit zu mehr Klimaresilienz und Zero Hunger
⢠2025: 20 Jahre Fortschritt im Blick: Zeit fßr ein neues Bekenntnis zu Zero Hunger
Contents
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Berechnung des Index
Der WHI-Wert eines jeden Landes wird auf der Grundlage einer Formel berechnet, die vier Indikatoren kombiniert, die zusammen den multidimensionalen Charakter des Hungers erfassen:
1. Unterernährung: der Anteil der BevÜlkerung, dessen Bedarf an Nahrungsenergie nicht gedeckt ist;
2. WachstumsverzĂśgerung bei Kindern: der Anteil von Kindern unter fĂźnf Jahren mit einer zu geringen GrĂśĂe in Bezug auf das jeweilige Alter, ein Beleg fĂźr chronische Unterernährung;
3. Auszehrung bei Kindern: der Anteil von Kindern unter fĂźnf Jahren mit einem zu niedrigen Gewicht in Bezug auf die jeweilige GrĂśĂe, ein Beleg fĂźr akute Unterernährung; und
4. Kindersterblichkeit: der Anteil der Kinder, die vor ihrem fßnften Geburtstag sterben, was zum Teil das fatale Zusammenwirken von mangelnder Nährstoffversorgung und einem ungesunden Umfeld widerspiegelt.
Basierend auf den Werten der vier Indikatoren bildet der WHI-Wert auf einer 100-Punkte-Skala die jeweilige Hungerlage ab, auf der 0 der beste Wert (kein Hunger) und 100 der schlechteste Wert ist 3. Der WHI-Wert jedes Landes wird je nach Schweregrad von niedrig bis gravierend eingestuft.
Die fßr die Berechnung der WHI-Werte verwendeten Daten stammen von verschiedenen Organisationen der Vereinten Nationen (UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation, Weltgesundheitsorganisation, UNICEF und Interagency Group for Child Mortality Estimation), der Weltbank sowie aus demografischen Erhebungen und Gesundheitserhebungen.
FĂźr den WHI-Bericht 2025 wurden Daten fĂźr 136 Länder ausgewertet. FĂźr 123 davon waren ausreichend Daten vorhanden, um WHI-Werte fĂźr 2025 zu berechnen und sie im Ranking zu platzieren (zum Vergleich: Die DatenverfĂźgbarkeit ermĂśglichte im Bericht 2024 die Einstufung von 127 Ländern). FĂźr 13 Länder konnten aufgrund unvollständiger Daten keine individuellen WHI-Werte berechnen und keine Ränge bestimmt werden. Wo mĂśglich, wurden diese Länder vorläufig in die Kategorien der WHI-Schweregradskala eingestuft: zwei Länder in die Kategorie mäĂig, drei Länder in ernst und zwei in sehr ernst. FĂźr sechs Länder konnte keine vorläufige Einstufung vorgenommen werden.
Die WHI-Werte sind nur innerhalb des jeweiligen Jahresberichts vergleichbar, nicht aber zwischen den Berichten verschiedener Jahre. Um die Fortschritte eines Landes oder einer Region im Laufe der Zeit verfolgen zu kÜnnen, enthält dieser Bericht WHI-Werte fßr 2000, 2008 und 2016, die mit den WHI-Werten fßr 2024 verglichen werden kÜnnen.cite-ref-5[5]
Legende
| Kategorie | Wert |
|---|---|
| Länder mit einem gravierenden WHI-Wert | ⼠50 |
| Länder mit einem sehr ernsten WHI-Wert | 35,0 â 49,9 |
| Länder mit einem ernsten WHI-Wert | 20,0 â 34,9 |
| Länder mit einem mäĂigen WHI-Wert | 10,0 â 19,9 |
| Länder mit einem niedrigen WHI-Wert | ⤠9,9 |
Rangfolge
| Rang 1 | Land | 2000 | 2008 | 2016 | 2025 |
|---|---|---|---|---|---|
| Länder mit einem WHI-Wert 2025 unter 5,0 belegen gemeinsam die Ränge 1 bis 25. 2 | Armenien Armenien | 20.3 | 10.8 | 6.7 | â¤5 |
| Länder mit einem WHI-Wert 2025 unter 5,0 belegen gemeinsam die Ränge 1 bis 25. 2 | Belarus Belarus | â¤5 | â¤5 | â¤5 | â¤5 |
| Länder mit einem WHI-Wert 2025 unter 5,0 belegen gemeinsam die Ränge 1 bis 25. 2 | Bosnien und Herzegowina Bosnien und Herzegowina | 9.5 | 6.1 | 5.0 | â¤5 |
| Länder mit einem WHI-Wert 2025 unter 5,0 belegen gemeinsam die Ränge 1 bis 25. 2 | Bulgarien Bulgarien | 8.6 | 8.1 | 7.3 | â¤5 |
| Länder mit einem WHI-Wert 2025 unter 5,0 belegen gemeinsam die Ränge 1 bis 25. 2 | Chile Chile | â¤5 | â¤5 | â¤5 | â¤5 |
| Länder mit einem WHI-Wert 2025 unter 5,0 belegen gemeinsam die Ränge 1 bis 25. 2 | China Volksrepublik Volksrepublik China | 13.8 | 7.3 | â¤5 | â¤5 |
| Länder mit einem WHI-Wert 2025 unter 5,0 belegen gemeinsam die Ränge 1 bis 25. 2 | Costa Rica Costa Rica | 5.9 | â¤5 | â¤5 | â¤5 |
| Länder mit einem WHI-Wert 2025 unter 5,0 belegen gemeinsam die Ränge 1 bis 25. 2 | Kroatien Kroatien | 7.1 | â¤5 | â¤5 | â¤5 |
| Länder mit einem WHI-Wert 2025 unter 5,0 belegen gemeinsam die Ränge 1 bis 25. 2 | Estland Estland | â¤5 | â¤5 | â¤5 | â¤5 |
| Länder mit einem WHI-Wert 2025 unter 5,0 belegen gemeinsam die Ränge 1 bis 25. 2 | Georgien Georgien | 11.8 | 8.0 | 5.7 | â¤5 |
| Länder mit einem WHI-Wert 2025 unter 5,0 belegen gemeinsam die Ränge 1 bis 25. 2 | Ungarn Ungarn | â¤5 | â¤5 | â¤5 | â¤5 |
| Länder mit einem WHI-Wert 2025 unter 5,0 belegen gemeinsam die Ränge 1 bis 25. 2 | Kasachstan Kasachstan | 12.0 | 10.2 | 5.7 | â¤5 |
| Länder mit einem WHI-Wert 2025 unter 5,0 belegen gemeinsam die Ränge 1 bis 25. 2 | Kuwait Kuwait | â¤5 | â¤5 | â¤5 | â¤5 |
| Länder mit einem WHI-Wert 2025 unter 5,0 belegen gemeinsam die Ränge 1 bis 25. 2 | Lettland Lettland | 5.3 | â¤5 | â¤5 | â¤5 |
| Länder mit einem WHI-Wert 2025 unter 5,0 belegen gemeinsam die Ränge 1 bis 25. 2 | Litauen Litauen | 5.0 | â¤5 | â¤5 | â¤5 |
| Länder mit einem WHI-Wert 2025 unter 5,0 belegen gemeinsam die Ränge 1 bis 25. 2 | Montenegro Montenegro | â | 5.8 | â¤5 | â¤5 |
| Länder mit einem WHI-Wert 2025 unter 5,0 belegen gemeinsam die Ränge 1 bis 25. 2 | Nordmazedonien Nordmazedonien | 7.4 | 5.5 | â¤5 | â¤5 |
| Länder mit einem WHI-Wert 2025 unter 5,0 belegen gemeinsam die Ränge 1 bis 25. 2 | Rumänien Rumänien | 8.1 | 6.0 | â¤5 | â¤5 |
| Länder mit einem WHI-Wert 2025 unter 5,0 belegen gemeinsam die Ränge 1 bis 25. 2 | Russland Russland | 10.6 | 6.0 | 5.5 | â¤5 |
| Länder mit einem WHI-Wert 2025 unter 5,0 belegen gemeinsam die Ränge 1 bis 25. 2 | Serbien Serbien | â | 5.3 | â¤5 | â¤5 |
| Länder mit einem WHI-Wert 2025 unter 5,0 belegen gemeinsam die Ränge 1 bis 25. 2 | Slowakei Slowakei | 5.3 | â¤5 | â¤5 | â¤5 |
| Länder mit einem WHI-Wert 2025 unter 5,0 belegen gemeinsam die Ränge 1 bis 25. 2 | Turkei TĂźrkei | 14.8 | 6.9 | â¤5 | â¤5 |
| Länder mit einem WHI-Wert 2025 unter 5,0 belegen gemeinsam die Ränge 1 bis 25. 2 | Vereinigte Arabische Emirate Vereinigte Arabische Emirate | â¤5 | â¤5 | â¤5 | â¤5 |
| Länder mit einem WHI-Wert 2025 unter 5,0 belegen gemeinsam die Ränge 1 bis 25. 2 | Uruguay Uruguay | 7.9 | â¤5 | â¤5 | â¤5 |
| Länder mit einem WHI-Wert 2025 unter 5,0 belegen gemeinsam die Ränge 1 bis 25. 2 | Usbekistan Usbekistan | 25.7 | 12.7 | 5.7 | â¤5 |
| 26 | Moldau Republik Moldau | 18.1 | 15.0 | 5.8 | 5.1 |
| 26 | Mongolei Mongolei | 29.5 | 17.3 | 8.0 | 5.1 |
| 28 | Paraguay Paraguay | 12.8 | 8.3 | 5.2 | 5.2 |
| 29 | Aserbaidschan Aserbaidschan | 25.2 | 14.1 | 8.1 | 5.6 |
| 30 | Saudi-Arabien Saudi-Arabien | 10.1 | 8.5 | 6.6 | 5.9 |
| 31 | Mexiko Mexiko | 9.8 | 9.2 | 7.1 | 6.0 |
| 32 | Kolumbien Kolumbien | 10.7 | 10.3 | 7.1 | 6.1 |
| 33 | Tunesien Tunesien | 9.1 | 7.6 | 6.1 | 6.2 |
| 34 | Argentinien Argentinien | 6.5 | 5.2 | 5.3 | 6.4 |
| 34 | Brasilien Brasilien | 11.6 | 6.3 | 5.4 | 6.4 |
| 34 | Dominikanische Republik Dominikanische Republik | 15.2 | 12.8 | 8.6 | 6.4 |
| 37 | Albanien Albanien | 15.3 | 15.3 | 6.7 | 7.0 |
| 38 | Algerien Algerien | 14.1 | 10.8 | 8.0 | 7.1 |
| 39 | Peru Peru | 21.1 | 12.9 | 8.0 | 7.2 |
| 40 | Iran Iran | 12.4 | 9.5 | 8.3 | 7.4 |
| 41 | Panama Panama | 17.3 | 12.3 | 9.2 | 7.5 |
| 42 | El Salvador El Salvador | 13.6 | 11.6 | 8.9 | 7.6 |
| 43 | Jamaika Jamaika | 8.3 | 8.3 | 8.3 | 8.0 |
| 43 | Kirgisistan Kirgisistan | 18.4 | 12.2 | 8.9 | 8.0 |
| 45 | Guyana Guyana | 17.0 | 15.3 | 10.7 | 8.3 |
| 46 | Libanon Libanon | 11.1 | 8.3 | 7.1 | 8.5 |
| 47 | Marokko Marokko | 15.6 | 11.5 | 8.6 | 9.3 |
| 48 | Kap Verde Kap Verde | 16.2 | 13.1 | 11.5 | 9.4 |
| 49 | Venezuela Venezuela | 14.3 | 8.7 | 14.2 | 9.6 |
| 50 | Thailand Thailand | 17.5 | 12.3 | 10.4 | 9.7 |
| 50 | Turkmenistan Turkmenistan | 19.9 | 14.3 | 10.2 | 9.7 |
| 52 | Fidschi Fidschi | 9.2 | 10.2 | 10.6 | 9.9 |
| 53 | Oman Oman | 16.2 | 10.2 | 12.0 | 10.2 |
| 54 | Jordanien Jordanien | 10.2 | 7.6 | 7.7 | 10.3 |
| 55 | Suriname Suriname | 14.9 | 10.4 | 10.8 | 10.4 |
| 55 | Ukraine Ukraine | 12.8 | 10.0 | 9.7 | 10.4 |
| 57 | Agypten Ăgypten | 16.4 | 15.5 | 14.5 | 10.5 |
| 58 | Ecuador Ecuador | 19.1 | 14.6 | 11.3 | 10.9 |
| 59 | Trinidad und Tobago Trinidad und Tobago | 11.2 | 11.0 | 9.7 | 11.0 |
| 60 | Vietnam Vietnam | 25.7 | 19.7 | 14.1 | 11.1 |
| 61 | Sri Lanka Sri Lanka | 22.1 | 17.6 | 14.1 | 11.2 |
| 62 | Honduras Honduras | 21.7 | 15.9 | 13.1 | 12.5 |
| 63 | Irak Irak | 22.9 | 19.2 | 14.7 | 12.8 |
| 63 | Tadschikistan Tadschikistan | 39.3 | 26.9 | 15.3 | 12.8 |
| 65 | Ghana Ghana | 29.0 | 21.5 | 16.5 | 13.1 |
| 66 | Mauritius Mauritius | 15.3 | 13.2 | 12.8 | 13.4 |
| 66 | Philippinen Philippinen | 23.9 | 21.4 | 17.7 | 13.4 |
| 68 | Malaysia Malaysia | 15.1 | 13.9 | 13.4 | 13.6 |
| 69 | Libyen Libyen | 11.9 | 14.8 | 16.3 | 13.9 |
| 70 | Bolivien Bolivien | 27.0 | 20.9 | 14.0 | 14.6 |
| 70 | Indonesien Indonesien | 25.0 | 27.8 | 18.2 | 14.6 |
| 72 | Nepal Nepal | 37.0 | 28.5 | 20.6 | 14.8 |
| 73 | Kambodscha Kambodscha | 39.8 | 24.7 | 17.7 | 14.9 |
| 74 | Sudafrika SĂźdafrika | 17.1 | 16.4 | 12.9 | 15.1 |
| 75 | Myanmar Myanmar | 41.5 | 28.3 | 16.8 | 15.3 |
| 76 | Senegal Senegal | 32.5 | 20.9 | 16.8 | 15.6 |
| 77 | Eswatini Eswatini | 23.9 | 25.8 | 18.9 | 15.9 |
| 78 | Kamerun Kamerun | 36.8 | 26.9 | 20.4 | 17.1 |
| 79 | Komoren Komoren | 35.7 | 25.7 | 20.5 | 17.2 |
| 80 | Gambia Gambia | 29.5 | 23.3 | 18.8 | 17.3 |
| 80 | Togo Togo | 37.6 | 27.7 | 24.7 | 17.3 |
| 82 | Guatemala Guatemala | 29.0 | 23.8 | 20.8 | 18.0 |
| 83 | Gabun Gabun | 19.8 | 18.4 | 16.1 | 18.8 |
| 84 | Namibia Namibia | 26.6 | 27.1 | 22.0 | 18.9 |
| 85 | Bangladesch Bangladesch | 34.6 | 32.5 | 24.4 | 19.2 |
| 86 | Mauretanien Mauretanien | 31.3 | 20.1 | 21.2 | 19.9 |
| * | Laos Laos | â | â | â | 10â19.9* |
| * | Nicaragua Nicaragua | 21.4 | 17.1 | 13.1 | 10â19.9* |
| 87 | Uganda Uganda | 36.0 | 28.6 | 29.1 | 20.2 |
| 88 | ElfenbeinkĂźste ElfenbeinkĂźste | 32.8 | 33.2 | 22.3 | 20.4 |
| 88 | Salomonen Salomonen | 18.9 | 18.8 | 21.8 | 20.4 |
| 90 | Simbabwe Simbabwe | 35.5 | 29.6 | 27.2 | 20.9 |
| 91 | Tansania Tansania | 40.3 | 29.4 | 24.7 | 21.1 |
| 92 | Ruanda Ruanda | 49.7 | 36.4 | 28.2 | 21.7 |
| 93 | Botswana Botswana | 29.9 | 27.2 | 22.5 | 21.8 |
| 94 | Dschibuti Dschibuti | 44.8 | 32.8 | 24.6 | 21.9 |
| 95 | Malawi Malawi | 43.3 | 28.5 | 23.1 | 22.0 |
| 96 | Mali Mali | 40.3 | 31.3 | 24.7 | 22.3 |
| 97 | Kongo Republik Republik Kongo | 35.1 | 32.2 | 26.6 | 22.6 |
| 98 | Burkina Faso Burkina Faso | 44.5 | 34.4 | 25.4 | 22.9 |
| 99 | Guinea-a Guinea | 36.8 | 31.9 | 28.4 | 23.7 |
| 100 | Athiopien Ăthiopien | 53.0 | 37.5 | 26.1 | 24.4 |
| 101 | Guinea-Bissau Guinea-Bissau | 37.6 | 30.4 | 26.6 | 25.4 |
| 102 | Indien Indien | 38.1 | 34.6 | 29.3 | 25.8 |
| 103 | Benin Benin | 32.2 | 25.5 | 23.8 | 25.9 |
| 103 | Kenia Kenia | 35.7 | 28.7 | 23.1 | 25.9 |
| 103 | Mosambik Mosambik | 46.8 | 32.7 | 36.4 | 25.9 |
| 106 | Pakistan Pakistan | 36.2 | 32.3 | 25.4 | 26.0 |
| 107 | Osttimor Osttimor | â | 42.2 | 30.5 | 28.0 |
| 108 | Sierra Leone Sierra Leone | 57.8 | 41.1 | 32.4 | 28.5 |
| 109 | Afghanistan Afghanistan | 49.6 | 32.7 | 28.0 | 29.0 |
| 110 | Sambia Sambia | 51.2 | 41.4 | 31.7 | 29.6 |
| 111 | Angola Angola | 63.8 | 35.3 | 25.7 | 29.7 |
| 112 | Liberia Liberia | 47.7 | 36.8 | 32.9 | 30.0 |
| 113 | Syrien Syrien | 14.8 | 17.0 | 23.7 | 30.6 |
| 114 | Papua-Neuguinea Papua-Neuguinea | 31.3 | 32.8 | 31.9 | 31.0 |
| 115 | Nigeria Nigeria | 38.2 | 32.3 | 29.9 | 32.8 |
| 116 | Zentralafrikanische Republik Zentralafrikanische Republik | 46.8 | 41.9 | 36.0 | 33.4 |
| 117 | Niger Niger | 52.7 | 39.0 | 33.3 | 33.9 |
| 118 | Tschad Tschad | 49.6 | 43.8 | 38.5 | 34.8 |
| * | Lesotho Lesotho | â | â | â | 20â34.9* |
| * | Sudan Sudan | â | â | 27.5 | 20â34.9* |
| * | Korea Nord Nordkorea | 43.8 | 30.8 | 27.6 | 20â34.9* |
| 119 | Haiti Haiti | 40.2 | 37.2 | 29.9 | 35.7 |
| 120 | Madagaskar Madagaskar | 42.0 | 36.6 | 35.0 | 35.8 |
| 121 | Kongo Demokratische Republik Demokratische Republik Kongo | 46.1 | 39.5 | 36.4 | 37.5 |
| 121 | Sudsudan SĂźdsudan | â | â | â | 37.5 |
| 123 | Somalia Somalia | 64.3 | 60.5 | 49.4 | 42.6 |
| * | Burundi Burundi Jemen Jemen | â | â | â | 35â49.9* |
â = Es liegen keine Daten vor. Einige Länder existierten in ihren heutigen Grenzen im gegebenen Jahr oder Bezugszeitraum noch nicht.
Die Rankings und Indexwerte in dieser Tabelle kĂśnnen nicht direkt mit Rankings und Indexwerten aus frĂźheren Berichten verglichen werden. Die Farben entsprechen den Kategorien der WHI Schweregradskala.cite-ref-6[6]
1 Rangfolge gemäà WHI-Werten fßr 2025. Länder mit identischen WHI-Werten fßr 2025 erhalten dieselbe Platzierung (Moldau und Mongolei belegen beispielsweise beide Rang 26).
2 Die 25 Länder mit WHI-Werten fßr 2025 unter 5 werden nicht einzeln, sondern gemeinsam auf den Rängen 1 bis 25 platziert. Die Unterschiede zwischen ihren Werten sind minimal.
*FĂźr 13 Länder konnten aufgrund unvollständiger Daten keine individuellen WHI-Werte berechnet und keine Ränge bestimmt werden. Wo mĂśglich, wurden diese Länder vorläufig in die Kategorien der WHI-Schweregradskala eingestuft: zwei Länder fallen dabei in die Kategorie âmäĂigâ, drei Länder in "ernst" und zwei in die Kategorie âsehr ernstâ. FĂźr sechs Länder konnte keine vorläufige Einstufung vorgenommen werden.
Schwerpunktthema im WHI 2025: 20 Jahre Fortschritt im Blick: Zeit fĂźr ein neues Bekenntnis zu Zero Hunger
Der Welthunger-Index 2025 stellt fest, dass das Ziel, den globalen Hunger bis 2030 zu beenden, nach heutigem Stand voraussichtlich verfehlt wird, langfristig aber erreichbar bleibt. Zum Jubiläum blickt der Bericht auf zwei Jahrzehnte evidenzbasierter Politikempfehlungen zurĂźck und zeichnet die inhaltliche Entwicklung nach: von produktivitätsorientierter Landwirtschaft hin zu rechtsbasierten, inklusiven und resilienzorientierten Ansätzen. Zu den priorisierten Handlungsfeldern zählen stärkere Governance und Rechenschaftspflicht, klimaangepasste und transformierte Ernährungssysteme, Chancengleichheit, die FĂśrderung ländlicher Lebensgrundlagen, sektorĂźbergreifende Strategien sowie koordinierte und verantwortungsvolle Entwicklungsfinanzierung. Hervorgehoben werden auĂerdem die wachsende Bedeutung verlässlicher Daten, vorausschauenden Risikomanagements sowie lokalen Empowerments â insbesondere von Frauen und marginalisierten Gruppen.
Anders als in den Vorjahren enthält die Ausgabe 2025 keinen thematischen Essay; stattdessen beruht das Schwerpunktkapitel auf Interviews mit fĂźhrenden Experten, darunter Joachim von Braun, Klaus von Grebmer oder auch Bimala Rai Paudyal. Diese bilanzieren, welche MaĂnahmen in der Vergangenheit nachweislich Wirkung entfaltet haben (u. a. soziale Sicherung, diversifizierte Erwerbschancen, Risikoabsicherung, Governance-Reformen) und benennen Anpassungen, die kĂźnftig nĂśtig sind, damit alle Menschen Zugang zu ausreichender und angemessener Nahrung erhalten.
Der Bericht unterstreicht, dass Absichtserklärungen nur dann tragen, wenn sie von dauerhaftem politischem Willen, ausreichender Finanzierung, Reformen und konkreter Umsetzung begleitet werden. Die Kernbotschaft, die sich durch 20 Jahre WHI zieht, bleibt bestehen: Hunger besteht nicht, weil es an LÜsungen mangelt, sondern weil verfßgbare LÜsungen noch nicht konsequent und flächendeckend umgesetzt werden.
Schwerpunktthema im WHI 2024: Mit Gendergerechtigkeit zu mehr Klimaresilienz und Zero Hunger
Der Gastessay 2024 von Nitya Rao (University of East Anglia), Siera Vercillo (Wageningen University) und Gertrude Dzifa Torvikey (University of Ghana) argumentiert, dass Geschlecht auf vielfältige Weise mit den Herausforderungen des Klimawandels und der Ernährungssicherheit verflochten ist â Aspekte, die in entsprechenden Politiken und Interventionen oft ignoriert werden. Frauen und Mädchen sind typischerweise am stärksten von Ernährungsunsicherheit und Mangelernährung sowie von den Auswirkungen extremer Wetterereignisse und Klimanotfällen betroffen. Dennoch hindern sie verschiedene Formen der Diskriminierung â sowohl formelle als auch informelle, systemische und individuelle â daran, Zugang zu den Ressourcen und Chancen zu erhalten, die sie benĂśtigen, um wirksame MaĂnahmen fĂźr ihr Wohlergehen zu ergreifen.
Geschlechtergerechtigkeit, so die Autoren, ist entscheidend fĂźr eine gerechte Welt und fĂźr die Verwirklichung von Klima- und Ernährungsgerechtigkeit. Sie besteht aus drei miteinander verbundenen Dimensionen: Anerkennung, Umverteilung und Repräsentation. Anerkennung bedeutet, geschlechterdiskriminierende Normen zu transformieren, indem anerkannt wird, dass verschiedene Gruppen unterschiedliche BedĂźrfnisse, Vulnerabilitäten und Chancen haben und dass ihre geografische Lage und soziale Position sich Ăźberschneiden kĂśnnen, um Ungerechtigkeiten zu verstärken. Umverteilung beinhaltet die gezielte Zuweisung von Ressourcen und Chancen, um geschlechtsspezifische Ungleichheiten auszugleichen. Repräsentation bezieht sich darauf, die geschlechtsspezifische LĂźcke in der politischen und Entscheidungsfindungsbeteiligung von Frauen auf mehreren Ebenen zu schlieĂen. Wenn politische Entscheidungsträger die Zusammenhänge zwischen Geschlechterverhältnissen, der Transformation von Ernährungssystemen und Klimapolitiken sowie geschlechterdifferenzierte Daten nicht verstehen, agieren sie in einem Kontext der Unsicherheit, der unbeabsichtigte Folgen nach sich ziehen kann.
Tief verwurzelte Geschlechternormen sind nicht leicht zu ändern. Die Verwirklichung von Geschlechtergerechtigkeit erfordert Veränderungen auf verschiedenen Ebenen und Skalen, auf denen Geschlechterverhältnisse wirken. Diese reichen von individuellen bis hin zu systemweiten Ebenen und umfassen sowohl formelle und rechtliche Bedingungen als auch informelle soziale und kulturelle Normen. Trotz der Herausforderungen birgt Geschlechtergerechtigkeit das Versprechen eines transformativen Wandels.
Schwerpunktthema im WHI 2023: Jugend als treibende Kraft fßr nachhaltige Ernährungssysteme
Der Welthunger-Index 2023 zeigt, dass nach vielen Jahren der Fortschritte bis 2015 die Bekämpfung des Hungers weltweit weitgehend zum Stillstand gekommen ist. Da sich die Auswirkungen von Krisen vervielfachen und verstärken, leiden immer mehr Menschen unter schwerem Hunger, und es wird erwartet, dass sich die Situation im Laufe des Jahres weiter verschlechtern wird. GroĂe BevĂślkerungsgruppen wie Frauen und Jugendliche tragen die Last dieser Krisen. Der diesjährige WHI-Bericht beleuchtet, wie die aktuellen Ernährungssysteme junge Menschen im Stich lassen.
In vielen Teilen der Welt sehen sich junge Menschen mit einer Reihe von harten Realitäten konfrontiert. Sie sind häufiger als Erwachsene von extremer Armut und Ernährungsunsicherheit betroffen, wobei junge Frauen besonders stark betroffen sind â trotz der Bedeutung ihres Gesundheits- und Ernährungszustands fĂźr zukĂźnftige Generationen. Junge Menschen haben ein dreimal hĂśheres Risiko, arbeitslos zu sein. Oft fehlt ihnen der Zugang zu Ressourcen, Land, Fähigkeiten und Chancen, die es ihnen ermĂśglichen wĂźrden, produktiv in Ernährungssysteme eingebunden zu sein. Diese Hindernisse â sowie die Herausforderungen des Klimawandels, der Landdegradierung, der Risikoexposition, schwieriger oder prekärer Arbeitsbedingungen und der geringen gesellschaftlichen Anerkennung â haben viele junge Menschen von landwirtschaftlichen und ländlichen Lebensgrundlagen abgebracht.
Obwohl junge Menschen in der Politik- und Entscheidungsfindung im Zusammenhang mit Ernährungssystemen unterrepräsentiert sind, haben sie ein berechtigtes Interesse daran, ihre Zukunft mitzugestalten, und ihre Stimmen mĂźssen gehĂśrt werden. Jugendliche sind gleichberechtigte Träger des Rechts auf Nahrung, und gute Ernährung ist entscheidend fĂźr das persĂśnliche Wachstum und die Entwicklung in dieser wichtigen Lebensphase. DarĂźber hinaus stellen junge Menschen eine wichtige und wachsende demografische Gruppe dar, insbesondere in Ländern mit Ernährungsunsicherheit. 42 % der WeltbevĂślkerung sind unter 25 Jahre alt, und die globale Population von Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist mit 1,2 Milliarden die grĂśĂte in der Geschichte.
Schwerpunktthema im WHI 2022: Transformation der Ernährungssysteme und Lokale Governance
Globale und regionale Trends
Nach den Prognosen des WHI fĂźr 2022cite-ref-7[7] wird die Welt â und insbesondere 46 Länder â bis 2030 kein niedriges Hungerniveau erreichen. Die Situation wird sich angesichts der toxischen Mischung globaler Krisen â Konflikte, Klimawandel und die wirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Pandemie â wahrscheinlich noch weiter verschlechtern, da alle diese Faktoren den Hunger verstärken. Der Krieg in der Ukraine hat die Preise fĂźr Nahrungsmittel, Treibstoff und DĂźngemittel weltweit weiter in die HĂśhe getrieben und kĂśnnte die Hungersituation im Jahr 2023 und darĂźber hinaus noch erheblich verschärfen. Die weltweite Hungersituation hat sich laut WHI seit 2000 verbessert, Fortschritte sind in den letzten Jahren jedoch weitgehend stagniert. Der WHI-Wert fĂźr 2022 gilt als moderat, ist aber mit 18,2 nur geringfĂźgig niedriger als der Wert von 2014 (19,1). Während der globale WHI-Wert zwischen 2007 und 2014 um 5,2 Punkte von 24,3 auf 19,1 gesunken ist, hat er sich seither nur um 0,9 Punkte verringert. Nach jahrzehntelangem RĂźckgang zeigt ein im WHI verwendeter Indikator, die Prävalenz der Unterernährung, dass der Anteil der Menschen, die keinen regelmäĂigen Zugang zu ausreichend Nahrungsenergie haben, steigt. Diese Entwicklung kĂśnnte ein Zeichen dafĂźr sein, dass sich auch andere Hungerindikatoren umkehren.
Sowohl in SĂźdasien (wo der Hunger am grĂśĂten ist) als auch in Afrika sĂźdlich der Sahara (wo der Hunger am zweitgrĂśĂten ist) ist die Lage ernst. SĂźdasien hat die weltweit hĂśchsten Raten an ausgezehrten und wachstumsverzĂśgerten Kindern. In Afrika sĂźdlich der Sahara sind die Prävalenz der Unterernährung und die Kindersterblichkeitsrate hĂśher als in jeder anderen Region der Welt. Teile Ostafrikas sind von einer der schwersten DĂźrren der letzten 40 Jahre betroffen, die das Ăberleben von Millionen von Menschen bedroht. In Westasien und Nordafrika, wo der Hunger mäĂig ausgeprägt ist, gibt es besorgniserregende Anzeichen fĂźr eine Umkehrung der Fortschritte bei der Beendigung des Hungers. In Lateinamerika und der Karibik, in Ost- und SĂźdostasien sowie in Europa und Zentralasien gilt die Hungersnot als niedrig.
Angesichts der dritten globalen Nahrungsmittelpreiskrise innerhalb von 15 Jahren ist es offensichtlicher denn je, dass unsere derzeitigen Ernährungssysteme ungeeignet sind, um Armut und Hunger zu beenden. Der WHI betont, dass die internationale Gemeinschaft dringend auf die eskalierenden humanitären Krisen reagieren muss â ohne dabei die Notwendigkeit einer langfristigen Umgestaltung der Ernährungssysteme aus den Augen zu verlieren.
Lokale Governance
Das WHI 2022 befasst sich auf die Art und Weise, wie Gemeinschaften, lokale BehÜrden und zivilgesellschaftliche Akteure zusammenarbeiten, um Entscheidungen zu treffen und Ressourcen zu verteilen, um die Ernährungssituation der Menschen, insbesondere der am meisten gefährdeten, zu verbessern. Der Bericht unterstreicht die Wichtigkeit der uneingeschränkten Partizipation lokaler Gemeinschaften bei der Gestaltung ihrer Ernährungssysteme.
In ihrem Essay erklärt Danielle Resnick, dass der jĂźngste Trend zur Dezentralisierung von Regierungsfunktionen den Lokalregierungen mehr Autonomie und Autorität gewonnen, auch in Bezug auf entscheidende Funktionen der Ernährungssysteme. Hinzu kommt, dass in fragilen Staaten lokale oder informelle Strukturen der RegierungsfĂźhrung, wie etwa traditionelle Autoritäten, mĂśglicherweise eine grĂśĂere GlaubwĂźrdigkeit bei den Gemeinschaften haben. Doch in einer Reihe von Ländern werden zivilgesellschaftliche Räume zunehmend eingeschränkt, was die BĂźrger daran hindert, ihr Recht auf angemessene Nahrung einzufordern und zu verwirklichen. AuĂerdem ist den BĂźrgern dieses Recht oft nicht bekannt, selbst wenn es im nationalen Recht verankert ist. Daher appelliert der WHI, dass Entscheidungsträger eine inklusive lokale RegierungsfĂźhrung, Rechenschaftspflicht und die Verwirklichung des Rechts auf Nahrung in den Mittelpunkt der Transformation des Ernährungssystems stellen mĂźssen.
Gleichzeitig zeigt der Aufsatz von Danielle Resnick, wie lokale Initiativen den BĂźrgern helfen kann, ihr Recht auf Nahrung zu verwirklichen. Er enthält vielversprechende Beispiele aus verschiedenen Kontexten, wie sich BĂźrger auf innovative Weise in Debatten zu Ernährungssystemen einbringen, um die Gestaltung lokaler Ernährungssysteme zu verbessern und Entscheidungsträgern fĂźr den Kampf gegen Ernährungsunsicherheit und Hunger zur Verantwortung zu ziehen. Ermutigend ist, dass sich Beispiele fĂźr Empowerment genauso in stabileren demokratischen Umfeldern wie auch in fragilen Kontexten finden. Dazu gehĂśren eine Reihe von Instrumenten wie Systeme zur ĂberprĂźfung von Regierungshaushalten, kommunale Scorecards zur Bewertung der Leistung lokaler Regierungen und integrative Multi-Stakeholder-Plattformen, die eine Reihe lokaler Stakeholder, darunter Regierungsbeamten, kommunale Vereinigungen und Vertreter aus dem Privatsektor, in die Strategieplanung einbeziehen.
Zusammenfassend betont der diesjährige WHI, dass eine motivierte und integrative Regierungsfßhrung auf allen Ebenen, die die Beteiligung, das Mitwirken und die Kontrollfunktionen der Bßrger sicherstellt, von zentraler Bedeutung fßr eine wirkungsvolle Umgestaltung des Ernährungssystems ist, von der letztlich allen Menschen, und insbesondere die Vulnerabelsten, profitieren. Alle Regierungsebenen mßssen lokale Stimmen und Kapazitäten einbinden und starke lokale Entscheidungsstrukturen fÜrdern, wobei die Bemßhungen auf die Bedingungen und Kapazitäten vor Ort zugeschnitten sein mßssen.
Schwerpunktthema im WHI 2021: Hunger und Konflikte
Globale und regionale Trends
Aktuellen Prognosen zufolge wird die Weltgemeinschaft â insbesondere 47 Länder â ein niedriges Hungerniveau bis 2030 nicht erreichen. Die drei verheerendsten Hungertreiber Konflikte, Klimawandel und die Covid-19-Pandemie bedrohen jegliche Fortschritte der letzten Jahre.
Zwar zeigen die WHI-Werte eine Verbesserung der globalen Hungersituation seit 2000, doch die Fortschritte verlangsamen sich. Während der globale WHI-Wert zwischen 2006 und 2012 um 4,7 Punkte von 25,1 auf 20,4 sank, ist er seither nur noch um 2,5 Punkte gefallen. Nach Jahrzehnten des Rßckgangs steigt die weltweite Verbreitung von Unterernährung, einer der vier Indikatoren des WHI. Diese Entwicklung kÜnnte ein Vorzeichen dafßr sein, dass sich auch andere Hungerindikatoren umkehren.
Sowohl die Hungersituation in Afrika sĂźdlich der Sahara als auch jene in SĂźdasien wird als ernst eingestuft. Von allen Regionen weist Afrika sĂźdlich der Sahara die hĂśchsten Raten von Unterernährung, WachstumsverzĂśgerung bei Kindern und Kindersterblichkeit auf. Das hohe Hungerniveau in SĂźdasien ist hauptsächlich auf hohe Unterernährungsraten bei Kindern zurĂźckzufĂźhren. In Europa und Zentralasien, Lateinamerika und Karibik, Ost- und SĂźdostasien sowie Westasien und Nordafrika ist das Hungerniveau niedrig oder mäĂig.
Ernährungssysteme ändern, Frieden fÜrdern
Trotz der verheerenden Covid-19-Pandemie blieben auch 2020 gewaltsame Konflikte die Haupttreiber weltweiten Hungers. Die Zahl der gewaltsamen Konflikte nimmt zu; derweil werden sie immer schwerwiegender und langwieriger. Die Wechselwirkungen zwischen Konflikt und Hunger sind hinlänglich bekannt und unbestritten. Konflikte haben verheerende Auswirkungen auf Ernährungssysteme, da sie nahezu jeden Aspekt eines Ernährungssystems beeinträchtigen, von der Erzeugung ßber die Ernte, die Verarbeitung und den Transport bis hin zu der Versorgung mit Betriebsmitteln, Finanzierung, Vermarktung und dem Konsum. Zugleich kann eine erhÜhte Ernährungsunsicherheit zu gewaltsamen Konflikten beitragen. Ohne Ernährungssicherheit ist eine nachhaltige Friedenssicherung kaum mÜglich, und ohne Frieden ist es unwahrscheinlich, den weltweiten Hunger zu beenden.
Wenn sowohl bei der Eindämmung von Konflikten als auch bei der Hungerbekämpfung Fortschritte erzielt werden sollen, muss beim Aufbau resilienter Ernährungssysteme die FriedensfĂśrderung und bei der FriedensfĂśrderung die Ernährungssicherheit integriert werden. Um voranzukommen, mĂźssen die MaĂnahmen nach vier Prioritäten strukturiert werden: (1) einen flexiblen und agilen Ansatz verfolgen, (2) auf partnerschaftliche Zusammenarbeit setzen, (3) ein ganzheitliches Arbeiten fĂśrdern, und (4) Finanzierungssilos auflĂśsen.
Selbst inmitten von Konflikten und extremer Vulnerabilität ist es mÜglich, die destruktive Wechselwirkung zwischen Konflikt und Hunger zu durchbrechen und Resilienz aufzubauen. Gemeinsam kÜnnen Staaten, Gemeinden, lokale und internationale Nichtregierungsorganisationen sowie UN-BehÜrden Bedingungen fßr Ernährungssicherheit und nachhaltigen Frieden schaffen. Die wirksame Integration von FriedensfÜrderung bei der Schaffung resilienter Ernährungssysteme und andererseits von Ernährungssicherheit bei der FriedensfÜrderung erfordert, dass externe Akteure ßber fundierte Kenntnisse des jeweiligen Kontexts verfßgen und mit Sensibilität fßr die anhaltenden Konflikte handeln. Lokal gefßhrte Aktivitäten mßssen gestärkt und jeweilige Bedenken sowie Ambitionen berßcksichtigt werden. Dabei ist stets partnerschaftlich zu arbeiten. Die Finanzierung sollte flexibel und langfristig angelegt sein und sich an dynamische fragile und konfliktbetroffene Kontexte anpassen lassen. Nicht zuletzt ist es von entscheidender Bedeutung, dass Konflikte politisch gelÜst und diejenigen, die Hunger als Kriegswaffe einsetzen, strafrechtlich verfolgt werden.
Schwerpunktthema im WHI 2020: Gesundheit und Nachhaltige Ernährungssysteme zusammen denken
Der globale WHI-Wert, aktuell bei 18,2, fällt in die Kategorie mäĂig und liegt damit deutlich niedriger als der WHI-Wert fĂźr das Jahr 2000, der bei 28,2 und damit bei ernst lag.
Im Jahr 2020 verschärften die COVID-19-Pandemie und der daraus resultierende wirtschaftliche Abschwung sowie ein massiver Ausbruch von WĂźstenheuschrecken am Horn von Afrika und andere Krisen die Nahrungsmittel- und Ernährungsunsicherheit fĂźr Millionen von Menschen. Diese Krisen kommen zu dem bestehenden Hunger hinzu, der durch Konflikte, Klimaextreme und wirtschaftliche ErschĂźtterungen verursacht wird. Die im WHI-Bericht 2020 vorgestellten WHI-Bewertungen spiegeln noch nicht die Auswirkungen der sich Ăźberschneidenden Katastrophen des Jahres 2020 wieder, aber sie weisen auf Brennpunkte hin, in denen die Ernährungsunsicherheit und Unterernährung bereits jetzt gravierend sind und deren BevĂślkerung in Zukunft einem grĂśĂeren Risiko akuter Ernährungskrisen und chronischen Hungers ausgesetzt sein wird.
Globale und regionale Trends
Der Hunger ist je nach Region sehr unterschiedlich. Sowohl in Afrika sßdlich der Sahara als auch in Sßdasien wird Hunger als ernst eingestuft, was zum Teil auf den hohen Anteil unterernährter Menschen und die hohe Rate von Kindern mit WachstumsverzÜgerung zurßckzufßhren ist. Darßber hinaus weist Afrika sßdlich der Sahara die weltweit hÜchste Kindersterblichkeitsrate auf, während Sßdasien die weltweit hÜchste Rate an Auszehrung bei Kindern aufweist.
Im Gegensatz dazu wird das Hungerniveau in Europa, Zentralasien, Lateinamerika und der Karibik, Ost- und SĂźdostasien sowie Westasien und Nordafrika als niedrig oder mäĂig charakterisiert, obwohl der Hunger bei bestimmten Gruppen innerhalb der Länder dieser Regionen durchaus hoch ist.
Gesundheit und Nachhaltige Ernährungssysteme zusammen denken
Die Ereignisse des Jahres 2020 legen viele der Schwachstellen des Welternährungssystems in einer Weise offen, die nicht mehr ignoriert werden kann. Durch einen integrierten Ansatz in den Bereichen Gesundheit und Nahrungsmittel- bzw. Ernährungssicherheit kÜnnte es jedoch noch mÜglich sein, Kein Hunger bis 2030 zu erreichen. Ein One Health-Ansatz, der auf der Anerkennung der Zusammenhänge zwischen Menschen, Tieren, Pflanzen und ihrer gemeinsamen Umwelt sowie der Rolle fairer Handelsbeziehungen beruht, wßrde die verschiedenen Krisen, denen wir uns gegenßbersehen, ganzheitlich angehen und dazu beitragen, kßnftige Gesundheitskrisen abzuwenden, einen gesunden Planeten wiederherzustellen und den Hunger zu beenden.
Die Perspektive des One Health-Ansatzes lenkt die Aufmerksamkeit auf eine Reihe von Schwächen: die Fragilität globalisierter Ernährungssysteme, zu geringe Investitionen in lokale Landwirtschaft, Bauernverbände und kleinbäuerlich orientierte WertschĂśpfungsketten, steigende Raten ernährungsbedingter nicht Ăźbertragbarer Krankheiten, NotfallmaĂnahmen, die lokale Ernährungssysteme beeinträchtigen, hohe Umweltkosten von aktuellen Ernährungssystemen, unzureichender sozialer Schutz fĂźr einen GroĂteil der WeltbevĂślkerung, ungerechte globale Ernährungspolitik, einschlieĂlich ungerechter Handels- und Hilfspolitiken, sowie der Mangel an sicheren Landbesitzverhältnissen, welcher zu Ernährungsunsicherheit fĂźr ländliche Gemeinschaften, indigene VĂślker, Frauen und marginalisierte Gruppen fĂźhrt.
Schwerpunktthema im WHI 2019: Wie der Klimawandel den Hunger verschärft
Die Welthungerhilfe hat am 15. Oktober den Welthunger-Index fĂźr 2019 vorgestellt â der WHI weist fĂźr 47 Länder eine ernste oder sehr ernste Lage aus. FĂźr die Zentralafrikanische Republik gilt sogar die Einschätzung gravierende Hungersituation. Der Bericht 2019 stellt den Zusammenhang zwischen Hunger und Klimawandel ins Zentrum der Analyse.
Schwerpunktthema im WHI 2019: Wie der Klimawandel den Hunger verschärft
Der WHI 2019 macht deutlich, dass der Klimawandel es zunehmend erschwert, die WeltbevĂślkerung adäquat und nachhaltig zu ernähren. Klimawandel hat direkte und indirekte negative Auswirkungen auf Ernährungssicherheit und Hunger durch Veränderungen von Produktion und VerfĂźgbarkeit, Zugang, Qualität und Nutzung von Nahrungsmitteln ebenso wie die Stabilität der Ernährungssysteme. DarĂźber hinaus kann Klimawandel zu Konflikten beitragen, insbesondere in gefährdeten und ernährungsunsicheren Regionen. So entsteht eine doppelte Vulnerabilität fĂźr Gemeinschaften, die Ăźber ihre Anpassungskapazität hinausgeht. Der Klimawandel stellt uns auĂerdem vor die Herausforderung von vier zentralen Ungerechtigkeiten, die sich an der Schnittstelle zu Ernährungssicherheit ereignen:
⢠die Verantwortung fßr die Entstehung des Klimawandels,
⢠die Auswirkungen des Klimawandels auf zukßnftige Generationen,
⢠die Folgen des Klimawandels fßr vulnerable BevÜlkerungsgruppen im Globalen Sßden und
⢠die Kapazitäten, sich an die Auswirkungen des Klimawandels anzupassen.
Die derzeitigen MaĂnahmen sind unzureichend fĂźr das AusmaĂ der Gefahr, die der Klimawandel fĂźr die Ernährungssicherheit darstellt. Transformation â ein grundlegender Wandel menschlicher und natĂźrlicher Systeme â wird heute als entscheidend fĂźr die Umsetzung einer klimaresistenten Entwicklung anerkannt, die auch âKein Hungerâ erreichen kann. Individuelle wie auch kollektive Werte und Verhaltensweisen mĂźssen sich daher hin zu mehr Nachhaltigkeit wandeln sowie eine gerechtere Verteilung der politischen, kulturellen und institutionellen Macht in der Gesellschaft vorantreiben.
Schwerpunktthema im WHI 2018: Flucht, Vertreibung und Hunger
Die Welthungerhilfe hat am 11. Oktober den Welthunger-Index fĂźr 2018 vorgestellt â der WHI weist fĂźr 51 Länder eine âernsteâ oder âsehr ernsteâ Lage aus. FĂźr die Zentralafrikanische Republik gilt sogar die Einschätzung âgravierende Hungersituationâ. Der Bericht 2018 stellt den Zusammenhang zwischen Hunger, Flucht und Vertreibung ins Zentrum der Analyse.cite-ref-tagesspiegel-23173886-8-0[2018 1]
Flucht, Vertreibung und Hunger
Der Essay im diesjährigen WHI untersucht Flucht, Vertreibung und Hunger â eng miteinander verflochtene Probleme, von denen einige der ärmsten und konfliktreichsten Regionen der Welt betroffen sind. Weltweit gibt es schätzungsweise 68,5 Millionen Vertriebene, darunter 40 Millionen Binnenvertriebene, 25,4 Millionen FlĂźchtlinge und 3,1 Millionen Asylsuchende. FĂźr diese Menschen kann Hunger sowohl Ursache als auch Folge von Flucht und Vertreibung sein. Die Hilfe fĂźr von Ernährungsunsicherheit betroffene Vertriebene muss in vier SchlĂźsselbereichen wie folgt verbessert werden:
⢠Hunger und Vertreibung als politische Probleme angehen
⢠Ganzheitlichere Ansätze gegen Langzeitvertreibung anwenden
⢠Unterstßtzung hungergefährdeter Vertriebener in ihren Herkunftsregionen
⢠Die Widerstandsfähigkeit von Vertriebenen anerkennen
Der Welthunger-Index 2018 enthält Empfehlungen fßr eine effektivere und ganzheitlichere Antwort auf Flucht und Hunger: Fokus auf besonders gefährdete Regionen und Gruppen legen, langfristige LÜsungen implementieren und Verantwortlichkeiten teilen.cite-ref-9[2018 2]
Einzelnachweise 2018
cite-note-tagesspiegel-23173886-82018 1. â Welthunger-Index 2018: 124 Millionen Menschen leiden akuten Hunger. In: tagesspiegel.de. Abgerufen am 11. Oktober 2018.
cite-note-92018 2. â Laura Hammond: Themen. Flucht, Vertreibung und Hunger. In: Welthunger-Index. Abgerufen am 31. Oktober 2018.
Schwerpunktthema im WHI 2017: Wie Ungleichheit Hunger schafft
Trotz der langfristigen Fortschritte bei der Bekämpfung des Hungers, die der WHI 2017 zeigt, leiden noch immer Millionen von Menschen unter chronischem Hunger und an vielen Orten herrschen akute Nahrungsmittelkrisen oder gar HungersnÜte.
Wie Ungleichheit Hunger schafft
Der WHI 2017 beleuchtet zum einen die Ungleichheit in den Fortschritten der weltweiten Hungerbekämpfung. Ferner werden die unterschiedlichen Dimensionen von Ungleichheit diskutiert, wie etwa die ungleiche Verteilung von Macht, welche die Ernährungssituation eines Einzelnen massiv beeinflussen kĂśnnen. Die Erreichung des UN-Nachhaltigkeitsziels âNiemanden zurĂźcklassenâ erfordert Ansätze in der Bekämpfung von Hunger und Fehlernährung, die zum einen die ungleiche Verbreitung von Hunger stärker im Blick haben und zum anderen stärker auf das Machtgefälle eingeht, dass die Auswirkungen von Armut und Marginalisierung im Kontext von Fehlernährung verschärft. Der Bericht betont: die Bedeutung einer Machtanalyse, die notwendig ist, um alle Formen von Macht zu benennen, die die Hungersituation bedingen; die Bedeutung von strategischen MaĂnahmen, die auf Machtzentren ausgerichtet sind; die Notwendigkeit, die Hungernden und Fehlernährten zu stärken um dem Verlust ihrer Ernährungssouveränität entgegenzuwirken.
Politische Handlungsempfehlungen
Der Welthunger-Index 2017 gibt die folgenden politischen Handlungsempfehlungen fßr eine nachhaltige Hungerbekämpfung:
⢠Nationale Ernährungssysteme demokratisieren
⢠BeteiligungsmÜglichkeiten in internationalen Diskussionen ßber Ernährungspolitik ausweiten
⢠Rechte und Raum fßr zivilgesellschaftliche Teilhabe garantieren
⢠Bßrger schßtzen und Standards in Wirtschaft und Handel sicherstellen
⢠Machtstrukturen analysieren, Politiken besser gestalten
⢠Kleinbauern stärker unterstßtzen
⢠Gleichberechtigung durch Bildung und soziale Sicherungsnetze fÜrdern
⢠Aktuelle Daten nutzen, um Regierungen zur Rechenschaft zu ziehen
⢠In die Globalen Nachhaltigkeitsziele und benachteiligten Menschen investieren
Schwerpunktthema im WHI 2016: Die Verpflichtung, den Hunger zu beenden
Der Welthunger-Index 2016 wurde im Oktober 2016 verĂśffentlicht. Im Vergleich zum diesjährigen Referenzjahr 2000 hat sich der Wert um 29 Prozent verbessert. Zweiundzwanzig Länder konnten ihre WHI-Werte um 50 Prozent oder mehr im Vergleich zum Jahr 2000 senken. Trotz dieses Fortschrittes hungern noch immer 795 Millionen Menschen weltweit, ist jedes vierte Kind in seiner kĂśrperlichen und geistigen Entwicklung eingeschränkt, und sterben noch immer 3,1 Millionen Kinder an Fehlernährung. Der Bericht zeigt, dass in den Entwicklungsländern groĂe Fortschritte bei der Bekämpfung von Hunger und Unterernährung erzielt wurden. Gleichzeitig belegt er jedoch, dass es zahlreiche Gebiete gibt, in denen Menschen besonders gefährdet sind. Das Problem fehlender Daten, insbesondere auf subnationaler Ebene, muss behoben werden, um zu gewährleisten, dass auf dem Weg zu einer Welt ohne Hunger bis zum Jahr 2030 niemand benachteiligt oder zurĂźckgelassen wird.
Politische Handlungsempfehlungen
Deutschland muss seine internationale Verantwortung wahrnehmen und seinen Beitrag dazu leisten, dass alle Menschen sich ausreichend und gesund ernähren kÜnnen. Dazu mßssen sich auch die Produktions- und Konsummuster der Deutschen ändern. Wichtige Punkte hierbei sind unter anderem:
⢠Nachhaltigkeit fÜrdern: Die Bundesregierung und die EU mßssen sicherstellen, dass ihre Politiken eine nachhaltige Ernährung fÜrdern. So mßssen die Ükologischen und sozialen Folgekosten der Massentierhaltung von den Herstellern ßbernommen und sich auch im Produktpreis niederschlagen. So wßrden die Konsumenten eher zu Produkten aus regionaler und nachhaltiger Produktion greifen.
⢠Folgen fßr das Recht auf Nahrung prßfen: Die Auswirkungen von Entscheidungen in sämtlichen Politikfeldern auf die Ernährungssicherheit und das Recht auf Nahrung in Entwicklungsländern mßssen systematisch geprßft werden. So sollten z. B. bei Freihandels- und Investitionsabkommen stets eine unabhängige menschenrechtliche und Ükologische Folgenabschätzung stattfinden.
⢠Soziale Produktionsstandards fÜrdern: Die Landwirtschaft in Entwicklungsländern muss gerecht entlohnt werden. Unsere Regierung muss sich fßr verbindliche soziale Standards in den Produktionsregionen einsetzen und deren Umsetzung unterstßtzen.
Schwerpunktthema im WHI 2015: Hunger und bewaffnete Konflikte
Der Welthunger-Index 2015 wurde im Oktober 2015 verÜffentlicht.cite-ref-10[2015 1] Im Vergleich zum diesjährigen Referenzjahr 2000 hat sich der Wert um 27 Prozent verbessert. Siebzehn Länder konnten ihre WHI-Werte um 50 Prozent oder mehr im Vergleich zum Jahr 2000 senken. Trotz dieses Fortschrittes hungern noch immer 795 Millionen Menschen weltweit, ist jedes vierte Kind in seiner kÜrperlichen und geistigen Entwicklung eingeschränkt, und sterben noch immer 3,1 Millionen Kinder an Fehlernährung.
Vor allem im SĂźden Afrikas, sĂźdlich der Sahara weisen viele Länder âernsteâ oder âsehr ernsteâ WHI-Werte auf. Die Zentralafrikanische Republik und der Tschad weisen 2015 die hĂśchsten WHI-Werte auf. Der WHI-Bericht weist darauf hin, dass viele Länder mit schlechten Werten von gewaltsamen Konflikten, politischer Instabilität oder Kriegen getroffen sind. Seitdem in Ländern wie Ăthiopien, Angola und Ruanda die groĂen BĂźrgerkriege der 1990er- und 2000er-Jahre beendet sind, seinen ihre Hungerwerte beträchtlich gefallen. Aber auch Länder, die nicht von bewaffneten Konflikten betroffen sind, kĂśnnen hohe WHI-Werte aufweisen, z. B. Sambia. GroĂe Fortschritte hat Brasilien gemacht, das seinen WHI-Wert seit 2000 um ca. zwei Drittel reduziert hat. Dies fĂźhrt der Bericht auf das Regierungsprogramm âNull Hungerâ zurĂźck.
Viele Länder, die in den Vorjahren oft hohe Hungerwerte verzeichneten, konnten aufgrund fehlender Daten in den diesjährigen Bericht nicht einbezogen werden. Hierzu zählen unter anderem Burundi, die Demokratische Republik Kongo, Eritrea, die Komoren, Somalia, der Sudan und der Sßdsudan.
Das Kapitel zu Hunger und Konflikt macht deutlich, dass die Zahl der katastrophalen HungersnĂśte (bei denen jeweils mehr als eine Million Menschen starben), offenbar der Vergangenheit angehĂśren. Dennoch ist seit dem Jahr 2006 ein erneuter Anstieg von Kriegen und bewaffneten Konflikten spĂźrbar. Bewaffnete Konflikte und extreme Armut mĂźssen reduziert werden, um den Hunger zu Ăźberwinden.
In der Ausgabe des Welthunger-Index 2015 erscheinen zusätzlich zwei Praxisbeispiele aus Projektgebieten der Welthungerhilfe und Concern zu Mali und dem Sßdsudan.cite-ref-11[2015 2]
Einzelnachweise 2015
cite-note-102015 1. â Welthunger-Index 2015. Hunger und bewaffnete Konflikte. IFPRI / Welthungerhilfe / Concern Worldwide. Bonn / Washington DC / Dublin 2015, 52 S.
cite-note-112015 2. â Aus der Praxis: Fallstudie 2015. Welthungerhilfe.
Schwerpunktthema im WHI 2014: Herausforderung verborgener Hunger
Der Welthunger-Index 2014 ist im Oktober 2014 erschienen. In diesem Jahr ist der Bericht dem Schwerpunktthema Mikronährstoffmangel gewidmet, auch verborgener Hunger genannt.cite-ref-12[2014 1] Im Jahr 2014 lag der Gesamt WHI-Wert bei 12,5; das bedeutet, dass sich der Gesamtwert gegenßber dem berechneten Wert von 1990 um 39 Prozent reduziert hat. Trotz dieses Fortschrittes bleibt die Anzahl hungernder Menschen mit 805 Millionen hoch.
Herausforderung verborgener Hunger
Weltweit sind ßber zwei Milliarden Menschen von verborgenem Hunger betroffen. Dieser Mikronährstoffmangel tritt dann auf, wenn Menschen entweder nicht genßgend Mikronährstoffe (wie Zink, Jod und Eisen) und Vitamine zu sich nehmen oder der KÜrper sie nicht aufnehmen kann. Grßnde hierfßr kÜnnen eine unausgewogene Ernährung, ein gesteigerter Bedarf an Mikronährstoffen (z. B. während Schwangerschaft und Stillzeit) sowie Gesundheitsprobleme durch Krankheiten, Infektionen oder Parasiten sein. Die Folgen fßr die Betroffenen kÜnnen verheerend sein: Geistige Beeinträchtigungen, schlechte Gesundheit, geringe Produktivität und durch Krankheiten verursachte Todesfälle. Vor allem Kinder sind von den Konsequenzen betroffen, wenn sie innerhalb der ersten 1000 Tagen ihres Lebens von der Empfängnis bis zum zweiten Geburtstag nicht genßgend Mikronährstoffe aufnehmen kÜnnen. Mikronährstoffmangel ist fßr geschätzte 1,1 Millionen der jährlich 3,1 Millionen durch Unterernährung verursachten Todesfälle bei Kindern verantwortlich. Dennoch ist es bisher nicht einfach, präzise Daten fßr die Verbreitung des verborgenen Hungers zu erhalten.
Weltweite Verluste an wirtschaftlicher Produktivität durch Makronährstoff- und Mikronährstoffmangel verursachen einen weltweiten Schaden von 1,4 bis 2,1 Billionen US-Dollar pro Jahr.cite-ref-13[2014 2]
Um verborgenem Hunger vorzubeugen, gibt es verschiedene MaĂnahmen. Besonders effektiv ist es, Menschen eine vielfältige Ernährung zu ermĂśglichen. Die Qualität der Nahrung sollte ebenso wichtig sein wie die Quantität (reine Zufuhr von Nahrungsenergie). Dies kann zum Beispiel durch die FĂśrderung des Anbaus einer Vielfalt an nährstoffreichen Nahrungspflanzen und die Einrichtung von Hausgärten geschehen. Weitere LĂśsungsansätze sind die industrielle Anreicherung (Fortifizierung) von Lebensmitteln vor oder die Biofortifizierung von Nahrungspflanzen (zum Beispiel mit Vitamin A angereicherte SĂźĂkartoffeln). Bei akutem Nährstoffmangel und in bestimmten Lebensphasen ist auch eine Nahrungsergänzung (Supplementierung) in Betracht zu ziehen. Vor allem die Zugabe von Vitamin A fĂźhrt zu einer Verbesserung der Ăberlebensrate von Kindern. Insgesamt lässt sich die Situation in Bezug auf den verborgenen Hunger nur dann verbessern, wenn viele MaĂnahmen ineinandergreifen und neben den direkten MaĂnahmen zur FĂśrderung der besseren Ernährung auch Bildung und Empowerment von Frauen, die FĂśrderung besserer Hygienebedingungen, des Zugangs zu sauberem Trinkwasser und zu Gesundheitsdiensten mit eingeschlossen werden.
Politische Handlungsempfehlungen
Satt werden allein reicht nicht. Jeder Mann, jede Frau und jedes Kind haben ein Recht auf kulturell angemessene Nahrung in ausreichender Menge, aber auch in ausreichender Qualität zur Deckung ihres Ernährungsbedarfs. Die internationale Gemeinschaft muss dafßr sorgen, dass verborgener Hunger nicht ßbersehen wird und die Post-2015-Entwicklungsagenda ein umfassendes Ziel zur Beseitigung von Hunger und Fehlernährung jeglicher Ausprägung enthält.
⢠Der Beseitigung des verborgenen Hungers hohe Priorität einräumen
⢠Geeignete und angemessene politische Konzepte entwickeln und aufeinander abstimmen
⢠Kenntnisse und Fähigkeiten zum Thema Ernährung auf allen Ebenen durch Bereitstellung von Personal und Finanzmitteln ausbauen
⢠Rechenschaftspflicht stärken: Regierungen und internationale Institutionen mßssen fßr ein regulatives Umfeld sorgen, das angemessene Ernährung unterstßtzt
⢠Monitoring, Forschung und Datengrundlage ausbauen, um die Rechenschaftspflicht zu stärken
Einzelnachweise 2014
cite-note-122014 1. â Welthunger-Index 2014. Herausforderung Verborgener Hunger. IFPRI / Welthungerhilfe / Concern Worldwide. Bonn/Washington, D.C./Dublin 2014, 60 S.
cite-note-132014 2. â Unser täglicher Mangel. In: Zeit Online. 4. Juni 2013.
Schwerpunktthema im WHI 2013: Widerstandsfähigkeit gegen Unterernährung
Der Welthunger-Index 2013 ist im Oktober 2013 erschienen. Sein thematischer Schwerpunkt ist die Stärkung der Widerstandsfähigkeit gegen Unterernährung auf Gemeindeebene. Er trägt den Untertitel: Herausforderung Hunger: Widerstandsfähigkeit stärken, Ernährung sichern. Weltweit signalisiert der Welthunger-Index mit einem Wert von 13,8 eine weiterhin âernsteâ globale Ernährungssituation.
Widerstandsfähigkeit gegen Unterernährung Viele der Länder, in denen die Hungersituation schon heute âsehr ernstâ oder âgravierendâ ist, sind auch besonders krisenanfällig: In der afrikanischen Sahelzone etwa erleben die Menschen jährliche Hungerperioden. Sowohl Konflikte als auch Naturkatastrophen belasten sie zusätzlich. Gleichzeitig wird das globale Umfeld zunehmend volatiler (Finanz- und Wirtschaftskrise, Nahrungsmittelpreiskrise).
Die Unfähigkeit, diese Krisen zu bewältigen, sorgt dafßr, dass mßhsam erarbeitete Entwicklungserfolge wieder zunichtegemacht werden und die Menschen noch weniger Ressourcen und Kapazitäten haben, um der nächsten Krise etwas entgegenzusetzen. Fßr die 2,6 Milliarden Menschen weltweit, die mit weniger als 2 US-Dollar am Tag zurechtkommen mßssen, kann ein Krankheitsfall in der Familie, ein trockenheitsbedingter Ernteausfall oder eine Unterbrechung von Rßckßberweisungen ihrer Verwandten aus dem Ausland, eine Abwärtsspirale in Gang setzen, aus der sie sich nicht mehr aus eigener Kraft befreien kÜnnen.
Es reicht daher nicht, Menschen in Notsituationen beizustehen und â wenn die Krise Ăźberstanden ist â längerfristige EntwicklungsmaĂnahmen anzustoĂen. Vielmehr mĂźssen sowohl NothilfemaĂnahmen als auch Entwicklungszusammenarbeit so konzipiert werden, dass sie darauf ausgelegt sind, die Widerstandsfähigkeit der Menschen gegen diese Krisen zu stärken [Definition Resilienz: Fähigkeit, schwierige Lebensphasen unbeschadet zu Ăźberstehen].
Konzeptionell unterscheidet der Welthunger-Index drei verschiedene Bewältigungsstrategien. Je geringer die Intensität der Krise, desto weniger muss aufgewendet werden, um mit den Auswirkungen umzugehen.
⢠Absorption: Fähigkeiten, mit denen die Auswirkungen einer Krise abgemildert/aufgefangen werden, ohne Lebensgewohnheiten zu ändern (z. B. Verkauf einiger Tiere aus der Herde)
⢠Anpassung: Wenn die Absorptionsfähigkeiten ausgeschĂśpft sind, werden schrittweise AnpassungsmaĂnahmen der Lebensgewohnheiten vorgenommen, ohne tiefgreifende Ănderungen vorzunehmen (z. B. Umstellung auf dĂźrreresistentes Saatgut)
⢠Transformation: Wenn auch die Anpassungen der Lebensgewohnheiten nicht ausreichen, um den negativen Auswirkungen einer Krise zu begegnen, mĂźssen grundlegende, dauerhafte Ănderungen des Lebens/Verhaltens vorgenommen werden (z. B. Normanden werden sesshaft und betreiben Landwirtschaft, weil sie ihre Viehherden nicht mehr halten kĂśnnen)
Politische Handlungsempfehlungen
⢠Ăberwindung der institutionellen, finanziellen und konzeptionellen Grenzen zwischen humanitärer Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit.
⢠Abschaffung von Politiken, die die Widerstandsfähigkeiten von Menschen untergraben. Orientierung am Recht auf Nahrung bei der Erarbeitung neuer Politiken und Gesetze.
⢠DurchfĂźhrung von mehrjährigen, flexiblen Programmen, deren Finanzierung multisektorale Ansätze zur Ăberwindung von chronischen Ernährungskrisen ermĂśglicht.
⢠Kommunizieren, dass resilienzfĂśrdernde MaĂnahmen kosteneffektiv sind und die Ernährungssicherheit verbessern, speziell in fragilen Kontexten.
⢠Wissenschaftliche Begleitung und Evaluierung von MaĂnahmen und Programmen, die sich zum Ziel gesetzt haben, Widerstandsfähigkeit zu stärken.
⢠Aktive Einbeziehung der lokalen BevÜlkerung in die Planung und Durchfßhrung von Programmen, die zum Ziel haben, die Widerstandsfähigkeit zu stärken.
⢠Verbesserung der Ernährung insbesondere von Mßttern und Kindern durch ernährungsspezifische und ernährungssensible Interventionen, um zu verhindern, dass kurzfristige Krisen dazu fßhren, dass Mangelernährung Folgen fßr das spätere Leben hat bzw. ßber Generationen weitergegeben wird.
Schwerpunktthema im WHI 2012: Knappe Land-, Wasser- und Energieressourcen
Der im Oktober 2012 erschienene Welthunger-Index befasst sich mit der Frage, wie Ernährung nachhaltig gesichert werden kann, wenn die natĂźrlichen Grundlagen der Ernährung zunehmend knapper werden (Herausforderung Hunger: Ernährung sichern, wenn Land, Wasser und Energie knapp werden). Der weltweite Hunger-Index-Wert liegt bei 14,7 und deutet somit auf eine âernsteâ Hungersituation hin. Zwar hat sich seit 1990 der Anteil unterernährter Menschen weltweit verringert und der Index fiel um etwa 26 Prozent. Allerdings sind die Fortschritte langsam und insbesondere hat sich das Tempo der Hungerbekämpfung im Vergleich zu der Zeit zwischen 1990 und 1996 heute deutlich reduziert.
Knappe Land-, Wasser- und Energieressourcen
Hunger ist zunehmend eng damit verknĂźpft, wie wir mit Land, Wasser und Energie umgehen. Wenn diese Ressourcen auĂerdem insgesamt knapper werden, gerät auch die Ernährungssicherheit zunehmend unter Druck. Mehrere Faktoren tragen zur Verknappung der natĂźrlichen Ressourcen bei:
1. Demographischer Wandel:2050 soll die WeltbevÜlkerung laut Prognosen auf ßber 9 Milliarden angewachsen sein. Zusätzlich leben in Zukunft mehr Menschen in Städten. Städtische BevÜlkerung ernährt sich anders; sie verzehrt tendenziell weniger Grundnahrungsmittel und mehr Fleisch und Milchprodukte werden verzehrt.
2. HĂśheren Einkommen und nicht-nachhaltiger Verbrauch von Ressourcen: Die globale Wirtschaftskraft steigt, wohlhabende Menschen konsumieren mehr Lebensmittel und GĂźter, die mit viel Wasser und Energie produziert werden. Sie kĂśnnen es sich leisten, wenig effizient und verschwenderisch mit Ressourcen umzugehen.
3. Schlechte Politik und schwache Institutionen: Wenn Politikgestaltung etwa im Bereich Energie nicht daraufhin ßberprßft wird, welche Konsequenzen sie im Bereich Land- und Wasserverfßgbarkeit hat, kann dies zu Fehlentwicklungen fßhren. Ein Beispiel hierfßr ist die Biokraftstoffpolitik der Industrieländer: Wenn Mais und Zuckerrohr zunehmend zur Herstellung von Treibstoffen verwendet werden, steht weniger Land und Wasser fßr die Nahrungsmittelproduktion zur Verfßgung
Anzeichen dafĂźr, dass Energie, Land und Wasser knapper werden, sind unter anderem: steigende Nahrungsmittel- und Energiepreise, ein massiver Anstieg von groĂflächigen Investitionen in Agrarland (sog. âLand Grabbingâ), zunehmende Degradation von Ackerfläche durch zu intensive Bewirtschaftung (zum Beispiel vermehrte WĂźstenbildung), eine steigende Anzahl von Menschen, die in Regionen mit sinkendem Grundwasserspiegel lebt, und der Verlust landwirtschaftlicher Fläche durch Klimawandel. Aus der Analyse der globalen Rahmenbedingungen leiten die Autoren des Welthunger-Index politische Handlungsempfehlungen ab:
⢠Sicherung von Land- und Wasserrechten.
⢠Stufenweiser Abbau von Subventionen.
⢠Schaffung positiver gesamtwirtschaftlicher Rahmenbedingungen
⢠Investition in landwirtschaftliche Produktionstechnologien, die eine effizientere Nutzung von Land, Wasser und Energie fÜrdern.
⢠Ausbau von Ansätzen, die zu effizienterer Nutzung von Land, Wasser und Energie entlang der WertschÜpfungskette fßhren.
⢠Verhinderung einer Ăbernutzung natĂźrlicher Ressourcen durch begleitende Analyse von Wasser-, Land- und Energiestrategien sowie landwirtschaftlichen Anbausystemen
⢠Verbesserung des Zugangs von Frauen zu Bildung und Stärkung ihrer reproduktiven Rechte, um dem demografischen Wandel zu begegnen.
⢠Steigerung der Einkommen, Reduzierung sozialer und wirtschaftlicher Ungleichheit und FÜrderung nachhaltiger Lebensstile.
⢠Minderung des Klimawandels und Anpassung an die Folgen durch eine entsprechende Umorientierung der Landwirtschaft
Schwerpunktthema im WHI 2011: Steigende und stark schwankende Nahrungsmittelpreise
Der im Oktober des Jahres erschienene Welthunger-Index 2011 trägt den Untertitel Herausforderung Hunger: Wie steigende und stark schwankende Nahrungsmittelpreise den Hunger verschärfen.cite-ref-14[2011 1]
Im Vergleich zu 2010 fiel der globale WHI-Wert von 15,1 auf 14,6 (im Jahr 1990: 19,7). Laut dem Bericht geht dieser RĂźckgang vor allem auf die verbesserte Ernährungssituation von Kindern unter fĂźnf Jahren zurĂźck, deren Anteil an allen Kindern unter fĂźnf Jahren seit 1990 um 8 Prozent zurĂźckging. Im selben Zeitraum ging die Kindersterblichkeit um 3 Prozent zurĂźck. Der Anteil der unterernährten Menschen an der WeltbevĂślkerung ist seit dem Zeitraum 1995â1997 nahezu unverändert, seit 1990 hat er um 4 Prozent abgenommen.
Steigende und stark schwankende Nahrungsmittelpreise
Als drei wesentliche Ursachen von starker Volatilität, also Preisschwankungen, und Preisanstieg fßr Nahrungsmittel sieht der Bericht die zunehmende(n)
⢠Verwendung von sog. Biokraftstoffen (âKonkurrenz zwischen âTeller und Tankââ), gefĂśrdert durch hohe Ălpreise, Subventionen in den Vereinigten Staaten (Ăźber ein Drittel der jeweiligen Maisernte 2009 und 2010) und Beimischquoten in der Europäischen Union, Indien u. a.
⢠extreme Wetterereignisse infolge des Klimawandels
⢠Warentermingeschäfte mit Agrargßtern, exemplarisch werden steigende Investitionen in Fonds genannt, die auf Agrarprodukte spekulieren (2003: 13 Milliarden US-Dollar, 2008: 260 Milliarden US-Dollar), sowie die zunehmenden Handelsvolumina dieser Gßter
Verstärkt werden Volatilität und Preisanstieg laut Bericht durch die Konzentration der Exporte von Grundnahrungsmitteln auf wenige Länder und deren Exportbeschränkungen, den historischen Tiefstand der weltweiten Getreidereserven und die häufige NichtverfĂźgbarkeit von zeitnahen Informationen Ăźber Nahrungsmittelproduktion, -lagerbestände und -preisentwicklungen, die bei den Marktteilnehmern Ăberreaktionen provozieren. Hinzu kommen saisonale Beschränkungen der ProduktionsmĂśglichkeiten, begrenzte Anbau- und Weideflächen sowie begrenzte VerfĂźgbarkeit von Nährstoffen und Wasser und auĂerdem die steigende Nachfrage infolge von BevĂślkerungswachstum, die Druck auf die Nahrungsmittelpreise ausĂźben.
Dem Welthunger-Index 2011 zufolge haben Preistrends fĂźr arme und hungernde Menschen besonders schwerwiegende Folgen, weil sie kaum in der Lage sind, auf Preisspitzen und rapide Preisschwankungen zu reagieren. Handlungen infolge solcher Entwicklungen kĂśnnen sein: reduzierte Kalorienaufnahme, Kinder nicht mehr zur Schule schicken, riskante VerdienstmĂśglichkeiten wie Prostitution, Kriminalität und Durchsuchen von MĂźllhalden und Fortschicken von Haushaltsmitgliedern, die nicht mehr ernährt werden kĂśnnen. AuĂerdem sieht der Bericht aktuell ein Allzeithoch bei der Unstabilität und Unberechenbarkeit der Nahrungsmittelpreise, die nach Jahrzehnten des leichten Absinkens in der Gegenwart gehäuft Preisspitzen (starker und kurzzeitiger Anstieg) aufweisen.cite-ref-15[2011 2]
Auf nationaler Ebene sind besonders Importländer von den Preisschwankungen betroffen, also solche mit negativer Nahrungsmittel-Handelsbilanz.
Politische Handlungsempfehlungen
⢠ĂberprĂźfung und gegebenenfalls Aussetzung von Beimischquoten und Subventionen fĂźr Biokraftstoffe
⢠Regulierung von Finanzaktivitäten auf Nahrungsmittelmärkten in Form von verschärfter Berichtspflicht, hÜherem Einlagekapital-Mindestanteil fßr kurzfristige Termingeschäfte und Verschärfung von Mengen- und Preisgrenzen fßr den Handel mit Agrarrohstoff-Derivaten
⢠Reduzierung der Emissionen von Treibhausgasen
⢠bessere Vorbereitung auf extreme Wetterereignisse
⢠armutsorientierte Steigerung landwirtschaftlicher Produktion, die mehr Länder befähigen soll, Grundnahrungsmittel zu exportieren
⢠internationale Nahrungsmittelreserven
⢠verbesserter Zugang der Marktteilnehmer zu relevanten Informationen, als Beispiele genannt werden das bestehende Famine Early Warning Systems Network und das von den G-20 geplante Agrarmarkt-Informations-System
⢠Weltweite Verbreitung von funktionierenden Grundsicherungssystemen auf nationaler Ebene
⢠FĂśrderung von EinkommensmĂśglichkeiten auĂerhalb der Landwirtschaft
⢠Verbesserung der Ausbildungsangebote fßr Arme in Städten
⢠kleinbäuerliche, nachhaltige und klimaangepasste Landwirtschaft
⢠verbessertes Krisenmanagement auch bei langsam einsetzenden Hungerkrisen, analog zum Katastrophenschutz
Einzelnachweise 2011
cite-note-142011 1. â Klaus von Grebmer, Maximo Torero, Tolulope Olofinbiyi, Heidi Fritschel, Doris Wiesmann, Yisehac Yohannes (IFPRI); Lilly Schofield, Constanze von Oppeln (Concern Worldwide und Welthungerhilfe): Welthunger-Index. Herausforderung Hunger: Wie steigende und stark schwankende Nahrungsmittelpreise den Hunger verschärfen. Bonn/Washington, D.C./Dublin 2011, 68 S.
cite-note-152011 2. â Kapitel 3: Hohe und volatile Nahrungsmittelpreise verschärfen den Hunger und Kapitel 4: Die Auswirkungen von Preisspitzen und Volatilität auf lokaler Ebene, S. 21. (PDF) In: www.welthungerhilfe.de. Ehemals im Original (nicht mehr online verfĂźgbar); abgerufen am 31. März 2023.@1@2Vorlage:Toter Link/www.welthungerhilfe.de (Seite nicht mehr abrufbar. Suche in Webarchiven) â 45.
Schwerpunktthema im WHI 2010: Frßhkindliche Unterernährung
Der Welthunger-Index 2010 erschien im Oktober des Jahres und trägt den Untertitel Herausforderung Hunger. Die Chance der ersten 1000 Tage, was sich auf die ersten 1000 Tages eines Kindes nach der Empfängnis bezieht. Der Bericht befasst sich schwerpunktmäĂig mit der Ernährungssituation von Kindern dieses Alters.cite-ref-16[2010 1]
Frßhkindliche Unterernährung
Besonders von Hunger gefährdet sieht der Welthunger-Index 2010 die BevĂślkerungsgruppe der Kleinkinder und weist auf die besondere Lebensbedrohlichkeit und langfristigen Folgeschäden von mangelnder Ernährung in den ersten zwei Lebensjahren hin. In den Entwicklungsländern sind ca. 195 Millionen Kinder unter fĂźnf Jahren â etwa ein Drittel aller Kinder weltweit â fĂźr ihr Alter zu klein und damit unterentwickelt. Fast ein Viertel der unter FĂźnfjährigen, 129 Millionen, ist untergewichtig und ein Zehntel stark untergewichtig. Ăber 90 Prozent der unterentwickelten Kinder leben in Afrika und Asien. Allein in Indien leben 42 Prozent aller untergewichtigen Kinder weltweit.
Laut Welthunger-Index umfasst entscheidende Handlungsfenster zur Bekämpfung frĂźhkindlicher Unterernährung den Zeitraum von â9 bis +24 Monaten, also die 1000 Tage zwischen Empfängnis und der Vollendung des zweiten Lebensjahres. Kinder, die in den ersten 1000 Tagen ihres Lebens unzureichend ernährt wurden, kĂśnnen bleibende Schäden davontragen, etwa eine eingeschränkte kĂśrperliche und geistige Entwicklung, ein schwaches Immunsystem bis hin zu einer geringeren Lebenserwartung. Nach Vollendung des zweiten Lebensjahres sind die Folgen von Unterernährung grĂśĂtenteils reversibel.
Politische Handlungsempfehlungen
Auf der Grundlage des publizierten Materials geben die Herausgeber des WHI-Index eine Reihe von Handlungsempfehlungen:
⢠Priorität von Ernährung bei politischen Entscheidungen
⢠Bekämpfung indirekter Ursachen von Unterernährung, zum Beispiel durch Programme zur FĂśrderung der Landwirtschaft und sozialen Sicherheit, die insbesondere die âĂrmsten der Armenâcite-ref-seite45-17-0[2010 2] betreffen
⢠Gezielte Ernährungsinterventionen fĂźr schwangere sowie stillende Frauen und Kinder unter 2 Jahren, die sich âan bereits erfolgreichen Methoden und lokalen Gegebenheiten orientierenâ:cite-ref-seite45-17-1[2010 2] FĂśrderung von gesunden Stillpraktiken, einem ausreichenden Impfschutz, angemessener Beikostgaben, des Jodsalzverzehrs und je nach Bedarf die VerfĂźgbarkeit von Nahrungsergänzungsstoffen wie Vitamin A und Zink.
⢠FĂśrderung der Gleichstellung von Frauen, da der WHI 2010 eine enge VerknĂźpfung von deren Benachteiligung und mangelhafter Ernährung sieht und sich dabei u. a. auf diverse Autoren beruft; insbesondere die Ernährungssicherheit von Mädchen und jungen Frauen soll mit Hilfe von Programmen erreicht werden, âdie sich mit Gesundheit, Ernährung, Bildung und sozialer Sicherung in der Jugend und im frĂźhen Erwachsenenalter befassenâcite-ref-seite45-17-2[2010 2]
Einzelnachweise 2010
cite-note-162010 1. â Klaus von Grebmer, Marie T. Ruel, Purnima Menon, Bella Nestorova, Tolulope Olofinbiyi, Heidi Fritschel, Yisehac Yohannes (IFPRI); Constanze von Oppeln, Olive Towey, Kate Golden, Jennifer Thompson (Concern Worldwide und Welthungerhilfe): 2010 Welthunger-Index. Herausforderung Hunger: Die Chance der ersten 1.000 Tage. (PDF; 3,7 MB) Bonn/Washington, D.C./Dublin 2010, 60 S. (PDF; 3,8 MB).
cite-note-seite45-172010 2. â 2010 Welthunger-Index. S. 45. (PDF; 3,7 MB)
Literatur
WHIs 2006â2022 in der Ausgabe in deutscher und englischer Sprache, verfĂźgbar auf der Website des Welthunger-Index globalhungerindex.org:
⢠2006 (PDF; 2,0 MB) â Kriege verschärfen Hunger â zehn afrikanische Länder bilden Schlusslicht
⢠2007 (PDF; 5,1 MB) â Ein Drittel der Länder auf Kurs, Afrika bleibt Brennpunkt
⢠2008 (PDF; 4,4 MB) â 33 Länder haben sehr ernste bis gravierende Hungersituation
⢠2009 (PDF; 2,7 MB) â Wie die Finanzkrise den Hunger verschärft und warum es auf die Frauen ankommt
⢠2010 (PDF; 3,8 MB) â Herausforderung Hunger: Die Chance der ersten tausend Tage
⢠2011 (PDF; 3,8 MB) â Wie steigende und stark schwankende Nahrungsmittelpreise den Hunger verschärfen
⢠2012 (PDF; 4,6 MB) â Herausforderung Hunger: Ernährung sichern, wenn Land, Wasser und Energie knapp werden
⢠2013 (PDF; 6,2 MB) â Herausforderung Hunger: Widerstandsfähigkeit stärken, Ernährung sichern
⢠2014 (PDF; 5,3 MB) â Herausforderung Verborgener Hunger
⢠2015 (PDF; 6,6 MB) â Hunger und bewaffnete Konflikte
⢠2016 (PDF; 4,0 MB) â Die Verpflichtung, den Hunger zu beenden
⢠2017 (PDF; 4,8 MB) â Wie Ungleichheit Hunger schafft
⢠2018 (PDF; 4,4 MB) â Flucht, Vertreibung und Hunger
⢠2019 (PDF; 4,7 MB) â Wie der Klimawandel den Hunger verschärft
⢠2020 (PDF; 7,6 MB) â Kein Hunger bis 2030: Gesundheit und Nachhaltige Ernährungssysteme zusammen denken
⢠2021 (PDF; 4,6 MB) â Hunger und Konflikte: Ernährungssysteme ändern, Frieden fĂśrdern
⢠2022 (PDF; 6,5 MB) â Transformation der Ernährungssysteme und Lokale Governance
⢠2023 (PDF; 6,5 MB) â Jugend als treibende Kraft fĂźr nachhaltige Ernährungssysteme
⢠2024 (PDF; 6,5 MB) â Mit Gendergerechtigkeit zu mehr Klimaresilienz und Zero Hunger
⢠2025 (PDF; 8,6 MB) â 20 Jahre Fortschritt im Blick: Zeit fĂźr ein neues Bekenntnis zu Zero Hunger
Weblinks
⢠Welthunger-Index
⢠Welthunger-Index: Themenseite der Welthungerhilfe
⢠Welthunger-Index: aktuelle Daten, Hintergrund, Agenda 21 Treffpunkt
Einzelnachweise
cite-note-11. â 2021 Global Hunger Index by Severity, auf globalhungerindex.org
cite-note-22. â Comparisons of hunger across states. In: IFPRI Publications. Abgerufen am 31. Oktober 2018.
cite-note-33. â A sub-national hunger index for Ethiopia. IFPRI, abgerufen am 31. Oktober 2018.
cite-note-44. â Themen. In: Welthunger-Index. Abgerufen am 31. Oktober 2019 (Expertenbericht mit aktuellen Hungerzahlen).
cite-note-55. â Ăber den WHI. Das Konzept des Welthunger-Index. In: Welthunger-Index. Abgerufen am 3. November 2022.
cite-note-66. â Das Konzept des Welthunger-Index. Welthunger-Index, abgerufen am 3. November 2022.
cite-note-77. â Welthunger-Index â Transformation der Ernährungssysteme und Lokale Governance. Welthungerhilfe, 13. Oktober 2022, abgerufen am 3. November 2022 (en-de).